Warum ich mir meine "heile Welt" bewahre
Immer wieder höre ich Menschen sagen, man dürfe nicht „zu sehr“ in seiner eigenen Welt leben. Man müsse ständig informiert sein, immer vorbereitet, immer aufmerksam auf das nächste Problem.
Doch je älter ich werde, desto bewusster entscheide ich mich dafür, mir meine heile Welt zu bewahren.
Mich dort aufzuhalten, um Kraft zu tanken.
Nicht, weil ich blind durch die Welt gehe.
Nicht, weil ich Leid, Chaos oder Dunkelheit nicht sehen würde.
Sondern weil ich verstanden habe, dass der Zustand meines Inneren mitgestaltet, wie ich dieser Welt begegne.
Meine heile Welt bedeutet nicht Perfektion.
Sie bedeutet auch nicht, dass immer alles leicht ist.
Sie bedeutet vielmehr, dass ich mir Räume erschaffe, in denen mein Herz weich bleiben darf. Räume, in denen ich noch das Zwitschern der Vögel höre, den Wind in den Bäumen spüre und mich darüber freue, wenn die Sonne durch die Wolken bricht.
Sie bedeutet, dass ich mich bewusst nähre mit Dingen, die mich erinnern:
an Menschlichkeit, an Natur, an Gemeinschaft, an Schönheit, an Liebe, an echtes Leben.
Denn diese Welt versucht oft laut zu sein.
Schnell.
Überfordernd.
Sie kann uns Furcht einflösen.
Und manchmal entsteht fast der Eindruck, man müsse ständig in Alarmbereitschaft leben, um „wach“ zu sein.
Doch ich glaube nicht, dass Angst unser natürlicher Zustand ist.
Ich glaube, wir Menschen brauchen Orte des Friedens.
Wir brauchen Gärten.
Lagerfeuer.
Kinderlachen.
Tiere.
Berührungen.
Gespräche, die nicht nur aus Härte bestehen.
Wir brauchen Erde unter den Füßen und Momente, in denen unser Nervensystem sich erinnert, dass Leben auch sicher sein darf.
Meine heile Welt besteht aus vielen kleinen Dingen:
frischem Kaffee am Morgen, barfuß durchs Gras laufen, Pflanzen berühren, Brot backen, mit meinen Kindern lachen, Tiere versorgen, den Mond betrachten, Geschichten erzählen, Musik hören und Menschen begegnen, die noch fühlen können.
Und nein — das macht mich nicht schwach.
Es hält mich menschlich.
Denn wer sich nur noch von Angst, Wut und Dauerstress ernährt, verliert irgendwann die Fähigkeit, Schönheit überhaupt noch wahrzunehmen.
Vielleicht ist genau das heute ein stiller Widerstand:
sich die Fähigkeit zu bewahren, das Gute noch zu sehen.
Sich nicht völlig verhärten zu lassen.
Sich Räume voller Leben, Wärme und Echtheit zu erschaffen.
Meine heile Welt ist kein Weglaufen vor der Realität.
Sie ist die Art, wie ich gesund bleibe inmitten dieser Welt.
Von Herz zu Herz,
Veronika Mitena